Klimapolitik ist Weltpolitik. Weltpolitik ist Klimapolitik

Der Tagesspiegel hat anscheinend die Wichtigkeit der Klimapolitik erkannt: Klimapolitik ist Weltpolitik. Weltpolitik ist Klimapolitik. Denn der Wandel im Energie- und Klimasektor hat Auswirkungen auf alle Bereiche von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Tsp.-Redakteur Kevin P. Hoffmann schreibt:

„Was die Think-Tanks der Welt den G20-Chefs raten

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Die Ideen der Gruppe der sogenannten T20 (Think Tank 20) wurde am Dienstag auf der internationalen Konferenz „T20 Summit: Global Solutions“ vorgestellt, die vom Tagesspiegel-Verlag logistisch mitorganisiert worden ist. Hunderte Forscher, darunter mehrere Nobelpreisträger, beraten dort noch bis Dienstagabend in den Räumen des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR, dem heutigen Sitz der European School of Management and Technology (ESMT). Die inhaltlichen Koordinatoren, das Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (die) in Bonn, legten am zweiten Konferenztag eine 17-seitige englischsprachige Zusammenfassung auf Basis von ausgewählten Einzeldossiers vor, die man auch in Langfassungen unter www.g20-insights.org abrufen kann. Der Titel lautet „20 Solutions Proposals for the G20“ (20 Lösungsvorschläge für die G20).

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Einige Vorschläge hat man so oder ähnlich schon in Debatten gehört, einige beschreiben eher komplexe Lösungen für noch komplexe Prozesse, die mancher so noch gar nicht als Problem identifiziert haben dürfte. Wieder andere Vorschläge wirken so simpel wie genial.

In der Einleitung heißt es, die G20 liefen Gefahr, ihre Legitimität zu untergraben, wenn sie sich allein auf ihre traditionelle enge Agenda konzentrieren würden, also die Förderung des weltweiten Wirtschaftswachstums und der Förderung der Finanzmarktstabilität, während man die verbreiteten Sorgen über mangelnde Jobaussichten und das Unbehagen über die Frage, wie die Gewinne durch die Globalisierung zu verteilen sind, ignoriert. „Inzwischen ist es offensichtlich geworden, dass die Erderwärmung und steigender Druck auf lokale und globale Ökosysteme das Wohlergehen aktueller und zukünftiger Generationen gefährdet, genau wie die internationale Sicherheit“, heißt es.

Die Zeit sei also reif für die G20, die zwei Drittel der Weltbevölkerung und sogar 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung repräsentieren, eine Vision zu entwickeln, die die Weltbevölkerung befähigt, ein ökonomisch und ökologisch nachhaltiges und sozial inklusives Wachstum zu erreichen, das zugleich widerstandsfähig gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen ist. Diese gemeinsame Vision sollte auf drei „sehr einfachen Gedanken“ basieren, hier verkürzt dargestellt:

– Erstens: Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, inwieweit sie in der Lage ist, die weltweiten Gemeingüter zu managen, zum Beispiel das Finanzsystem, das Klimasystem, die Ozeane, die Biodiversität, so wie Land- und Wasserressourcen. Auch der Zugang zu Bildung, Gesundheit und Wohnraum sollte als Gemeingüter angesehen werden.

– Zweitens: Diese Gemeingüter zu managen erfordert Investitionen in, und gemeinschaftliche Innovationen mit Blick auf eine umfassende Kultur der der weltweiten Kooperation und einem System der globalen Handlungsfähigkeit. Diese Bemühungen müssten das Ergebnis von Teamarbeit innerhalb der Familie der Nationen sein. „Diese Kultur der Kooperation soll als mehr als Ergänzung denn als Ersatz für nationale und lokale kulturelle Besonderheiten entwickelt werden“.

– Drittens: Regieren von Oben wird nicht funktionieren. Der Prozess der Globalisierung und des Regierens muss die Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Die 20 konkreten Vorschläge sind nach Themenbereichen sortiert, beginnend mit…

Digitalisierung 

  1. Schafft gemeinsam Strategien für Beschäftigung und Bildung im digitalen Zeitalter. Die Autoren schlagen unter anderem die Schaffung weltweiter Plattformen für Bildung und Ausbildung vor sowie die Gründung einer Kommission, die einen regelmäßigen Report über die Bemühungen erstellten, das Internet für wirklich jedermann in den G20-Ländern zugänglich zu machen.
  2. Kooperiert bei der Entwicklung digitaler Schutzmechanismen. Die Serviceprovider brauchen bessere Netzwerke und Frühwarnsysteme, um ihre Kunden vor Viren zu warnen. Kraftwerke müssen geschützt und vernetzte Geräte generell updatefähig sein.
  3. Übernehmt Maßnahmen, um das Finanzsystem vor Cyber-Angriffen zu schützen.
  4. Macht Euch die Blockchain-Technologie zunutze und überdenkt das Wettbewerbsrecht, um globale Entscheidungsprozesse inklusiver und rechenschaftspflichtig zu machen. Grundregeln für vielversprechende Blockchain-Anwendungen könnten Bevölkerungsschichten, die bisher von Finanzdienstleistungen abgeschnitten sind, nützlich sein – aber auch vielen Kleinen- und Mittleren Unternehmen (KMU), schreiben die Autoren.

Eine stabile, nachhaltige und widerstandsfähige Wirtschaft schaffen

  1. Entwickelt eine neue Vision und praktische Handlungsempfehlungen für ein Wachstums- und Entwicklungsmodell, dass den Menschen stärker in den Mittelpunkt nimmt. Stellt sicher, dass der technologische Fortschritt des 21. Jahrhunderts für alle zunimmt, und Menschen und Jobs weltweit ersetzt. Diese Bemühung würde Menschen und ihren Lebensstandard in den Mittelpunkt von Wirtschaftspolitik stellen.

Verfolgt eine Wirtschaftspolitik, die gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit verbessert (und gleichzeitig das Risiko heftiger Rezessionen und Finanzkrisen reduziert). Und verbessert die Inklusion (und verringert so Ungleichheit).

Verbessert die Widerstandsfähigkeit des globalen Finanz- und Währungssystems.

  1. Unterstützt die Anpassung der Handels- und Investitionssysteme mit der Agenda 2030.
  2. Leitet einen Paradigmenwechsel in den Beziehungen zwischen den G20 und Afrika ein und institutionalisiert die Kooperation bei nachhaltiger Entwicklung.

Klima- und Finanzpolitik

  1. Fördert den Durchbruch der Kräfte des Marktes, um klimaschonendes Wachstum zu unterstützen // Fördert die Gründung Staatsfonds in den G20-Ländern, um Klimaschutz.
  2. Fördert das kohärente Management der Verteilungseffekte der Klimaschutzpolitik.
  3. Fördert Klein- und Mittlere Unternehmen auf dem Feld der Umwelttechnik („Green-Technology“).
  4. Standardisiert Anwendungen der ökologischen Finanzwirtschaft.

Hunger bekämpfen, Ungleichheiten abbauen, mit Migration umgehen

  1. Reformiert das Welternährungssystem und schafft einen integrierten Ansatz mit Blick auf Bedürfnisse und Ressourcen, um gezielte Investitionen auszulösen.
  2. Fördert Initiativen zur nachhaltigen Wassergebrauch.
  3. Entwickelt Fahrpläne für inklusives Wachstum nach dem Vorbild der bestehenden Vorschläge der OECD (2017).
  4. Entwickelt ein PISA-artiges Ranking zum Thema Ungleichheit.
  5. Fördert die Integration von Geflüchteten in nationale Arbeitsmärkte durch die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen und Ausstellung von Arbeitsvisa.
  6. Ermöglicht den Wandel von humanitärer Hilfe hin zu nachhaltigem Wachstum und den Aufbau von Bildungsinfrastrukturen
  7. Unterstützt Entwicklungs- und Schwellenländer, die Flüchtlinge aufnehmen
  8. Fördert Politik-Konzepte, um „Klimaflüchtlinge zu unterstützen“

Die Agenda 2030: Ein universeller Rahmen für die Entwicklung der Menschheit

  1. Erneuert das G20-Bekenntnis zur Einführung der Agenda 2030 und unterstreicht dabei die Rolle des multilateralen Systems bei deren Umsetzung“

Hier der Link zum vollständigen Tsp.-Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/20-vorschlaege-was-die-think-tanks-der-welt-den-g20-chefs-raten/19867478.html